Der simple Mechanismus hinter der Magie des Inanna Salons

Dieser Text ist auf Deutsch.

Wer neu zum Inanna-Salon kommt, stolpert bereits am Anfang über eine unserer seltsamsten Regeln:

Keine Links.

Keine Podcasts.

Keine Videos.

Keine Blogartikel.

Keine Instagram-Posts.

Weder rein noch raus.

Viele halten das zunächst für eine ästhetische Vorliebe
oder eine etwas exzentrische (Technologie-feindliche) Schrulle.

Falsch.

Die “kein link” Regel ist Ausdrúck des ontologischen Fundaments des Inanna-Salons.

Die Regel ist nicht entstanden, weil irgendetwas Schlimmes passiert wäre.
Wir leiden auch nicht an Technophobie.


Wir haben die no link Regel kreiert als Experiment und festgestellt: Es funktioniert.

Was hatten wir vor?

Wir wollten etwas zurückerobern, das im digitalen Zeitalter zunehmend verloren geht:
Die eigene Sprache.

Ein Link ist niemals nur ein Link.

Er führt uns von hier nach dort.
Meistens weg von uns und dem Gespräch, das wir gerade führen

Ein Link sagt:

“Dieses Video erklärt besser, was ich meine.”

“Dieser Podcast sagt es besser als ich.”

“Lies diesen Artikel. Dann verstehst du, worauf ich hinauswill.”

Ein Link übernimmt die Bedeutungsarbeit. Er spricht an unserer Stelle.
Er beschleunigt uns weit über unsere natürliche Kapazität hinaus.

Das ist praktisch. Wir wirken schlauer als wir sind.
Was niemals wirklich schlau ist:

In dem Moment, in dem wir aufhören,
etwas in unsere eigene Sprache zu übersetzen,
geben wir auch einen Teil unserer schöpferischen Kraft ab.

Sprache, inklusive Symbolen und Ritualen, ist mehr als ein Werkzeug zur Beschreibung von Realität.
Sprache ist unsere Art, Realität zu kreieren.

Sprache und Magie

Ein Gedanke ist zunächst unsichtbar.
Eine Erfahrung ist privat.
Ein Traum bleibt flüchtig.

In dem Moment, in dem wir es aussprechen, wird daraus eine gemeinsame Erfahrung.
Etwas Neues existiert.
Etwas, das vorher nur einem einzigen Menschen zugänglich war, wird zur geteilten Erinnerung.
Deshalb haben fast alle Kulturen der Welt der Sprache eine besondere Macht zugeschrieben.

Segnungen.

Flüche.

Eide.

Gelübde.

Gebete.

Gesetze.

Verträge.

Namen.

Gedichte.

Eine Königin wird mit Worten gekrönt.
Eine Ehe beginnt mit dem Ja-Wort.
Krieg beginnt mit einer Kriegserklärung.
Eine Frau sagt: „Mir reicht es.“ Und ihr Leben verändert sich.

Selbst moderne Bürokratien funktionieren durch Sprechakte, Regeln und Gesetze.

Wenn Sprache in der Realität wirksam wird, heisst es Magie.

Metaphysische und administrative Welt funktionieren auf der gleichen Grundlage: Sprache.
Worte und Symbole beschreiben die Wirklichkeit nicht einfach.
Sie bringen sie hervor.


So weit ist das nichts Neues.


Was hat das mit dem Inanna-Salon
und unserer no-link Regel zu tun?


Wir optimieren unsere Gemeinschaft für Transformation

Digitale Räume, von Meta-Gebilden bis zu privaten Memberships und Blogs
optimieren alle für Informationstransfer.

Der Inanna Salon tut genau das nicht. Wir verlangsamen uns, um Raum zu schaffen für Transformation.

Ein Beispiel:

Eine Frau liest ein Buch.

Bei Inanna kann sie kann das Buch nicht einfach posten.
Sie kann keine Rezension verlinken.
Sie kann keinen Podcast dazu einstellen.

Stattdessen:
Sie muss das Gelesene selbst verdauen.
Sie muss es mit ihrem Leben in Beziehung setzen.
Sie muss ihm eine Form geben.

Dann spricht sie.

Das heißt:
Die Gemeinschaft erhält nicht das Buch.
Sie erhält keine konsumierbare unpersönliche Information.
Sie erhält die Verwandlung.

Damit beginnt etwas, das in vielen digitalen Räumen selten geworden ist:

Eine eigene Stimme.
Und vielleicht auch eine eigene Kultur.

Denn Kultur entsteht nicht dadurch, dass Menschen dieselben Informationen konsumieren.

Kultur entsteht dadurch, dass Menschen Erfahrungen in Sprache verwandeln
und ihre Worte miteinander teilen.

Wir bleiben bei uns selbst, in der Gemeinschaft

Ein weiterer Effekt ist subtiler.

Links sind Portale.

Jeder Link öffnet ein kleines Loch in der Dorfmauer.
Ein Gespräch über Trauer wird zu einem Podcast.
Ein Gedanke führt zu einem Video.
Eine Frage führt zu einem Artikel.


Die Aufmerksamkeit wandert weiter.


Und
weiter.

Und
weiter.

Der Schwerpunkt liegt plötzlich nicht mehr bei den Menschen im Raum,
sondern irgendwo außerhalb.

Bei Inanna haben wir uns bewusst für das Gegenteil entschieden. Wir kehren zurück zu uns selbst.


Wenn wir miteinander sprechen, bleiben wir hier.
Bei der Erfahrung.
Bei der Geschichte.

Bei dem Gedanken, der gerade im Kreis entstanden ist.
Beim Schweigen und Nachdenken.

Wir bleiben bei den Menschen, die ihre Erfahrung mit uns teilen.

Wir bringen die langsame Kunst des Erzählens zurück

Lange bevor es Bibliotheken, Suchmaschinen oder Hyperlinks gab, bewegte sich Wissen durch Menschen.

Der Träger von Wissen war nicht der Text.
Es war der verwandelte Mensch.

Dörfer tauschten keine Referenzen aus.
Sie tauschten Geschichten.

Ganze Kulturen tauschten sich aus über Menschen,
die etwas verstanden hatten und zurückkehrten, um davon zu erzählen.

Vielleicht liegt genau dort das eigentliche Geheimnis unserer seltsamen kleinen Regel.

Keine Links im Inanna-Salon.

Nicht weil wir etwas gegen das Internet hätten.
Sondern weil wir uns daran erinnern wollen, dass Sprache die ursprüngliche Substanz von Kultur ist.

Und dass Magie und Transformation immer mit einer Geschichte beginnt,
die jemand mit eigenen Worten erzählt.

Wissen wird nicht von Texten getragen.
Sondern von Menschen, die sich durch Worte verwandelt haben.

Christine Li Author

Creating Mythic Fiction & Feminine Initiation.

Christine Li traces the forgotten currents where ancient medicine and feminine myth become remembrance. In her Abalone Cycle about a Chinese healer, she restores the sacred dialogue between body, story, and soul.

http://christine-li.com
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